


"Götter am Spieltisch?"
Ein Croupier verdient 5000 € netto. Ende und Aus. Die Gehaltssituation des spieltechnischen Personals war schon immer ein Punkt, um den sich gar sagenhafte Märchen rankten. Unvollständige Information und die Assoziation "Croupier + Monte Carlo = Reich" sind Bestandteil der teilweise völlig aus der Luft gegriffenen Meinungen und Statements. Diese Meinungen basieren fast immer auf der "glorreichen" Casino-Vergangenheit der 1950er und 1960er Jahre.
Ein Tischchef, eine gehobene Position im Spielbetrieb, hatte durchaus in einigen Casinos der 1950er und 1960er Jahre die Möglichkeit im Monat 2.000 oder 3.000 Mark zu verdienen. Eine geradezu astronomische Summe, wenn man das durchschnittliche Einkommen des normalen Arbeitnehmers in den ersten Nachkriegsjahren zugrunde legt. Dass jedoch ein junger Croupieranfänger dieser Jahre kaum in den Genuss dieser Gehälter kam, wurde unter den Tisch gekehrt. Die Presse tat ein Übriges um Vorurteile in Sachen Verdienst in die Welt zu setzen. Wer konnte es sich als Normalsterblicher schon leisten 20, 50 oder gar 100 Mark Trinkgeld den Herren im schwarzen Smoking zu spendieren. Die wenigsten.
Hoher Verdienst, zumal mit einer vermeintlich leichten Tätigkeit erlangt und oftmals mit der Annahme versehen, dass diese Trinkgelder ohne Abgaben an den Staat in die Lohntüte wanderten, hatten in diesen Jahren die Aura des Unanständigen. Bei diesem im Licht der Öffentlichkeit stehenden Berufstand spielte selbstverständlich auch der Hauch von Halbwelt und Rotlichtmilieu eine nicht zu unterschätzende Rolle. Für den Kleinen Mann auf der Straße war gerade deshalb das Gehalt dieser "Götter am Spieltisch" mit einer gewissen Unseriösität belegt.
Bis Ende der 1970er Jahre blieb die Trinkgeldsituation mehr oder weniger konstant und ein Croupier konnte überdurchschnittlich gut verdienen. Beginnend mit der Eröffnung zahlreicher Spielbanken Anfang und Mitte der 1980er Jahre bekam der Lohnstreifen der Croupiers, der sowieso starken Schwankungen durch unterschiedliches Trinkgeldaufkommen unterlag, den ersten großen Dämpfer.
Waren die "Claims" vorher abgesteckt, die räumliche Entfernung zwischen den Spielbanken groß, wurde nun vermehrt um die nicht im gleichen Umfange nachwachsenden Spieler gekämpft. Der Casinogast hatte auf einmal die Wahl in welchem Casino er spielen wollte und folglich das Trinkgeld gab. Zusätzlich wurde, durch gesetzliche Vorgaben, die Möglichkeit tarifvertraglich gewährte "Nachtstundenzuschläge" zu zahlen eingeschränkt und somit das Gehalt weiter geschmälert.
Die Eröffnung weiterer Spielbanken in den letzten zehn Jahren beeinflusste die Trinkgeldsituation weiter negativ. Heute hat man als Casinogast die Möglichkeit im Umkreis von ca. 150 Kilometern zwei, drei oder gar vier Spielbanken zu besuchen. Für den Trinkgeldtopf der Croupiers, den Tronc, bedeutet diese Tatsache oft den Todesstoß.
Das hochfrequentierte Automatenspiel und die damit einhergehende Veränderung im Erstbesucher-Segment sowie eine sich laufend verändernde Freizeit- und Entertainmentkultur trägt zusätzlich zur schwieriger werdenden Situation des ehemaligen Spitzenreiters "Klassisches Spiel" bei. Mit entsprechenden, teilweise dramatischen Auswirkungen auf den Tronc.
Selbst vormals trinkgeldintensive Spielbanken haben heutzutage erhebliche Mühe das Garantiegehalt der Croupiers zu erwirtschaften. Negative Auswirkungen wie das so genannte Troncpressing (die etwas "deutlichere" Aufforderung ein Stück für die Angestellten zu spendieren) zeigen, dass die Troncsituation in einigen Casinos nicht zum Besten steht. Aufgrund des zum Teil dramatischen Rückganges des Troncaufkommens, sind einige Casinos daher gezwungen, den Tronc mit Eigenmitteln so gut wie immer zu stützen
In der Konsequenz bieten einige Spielbanken ihren Angestellten von vornherein überschaubare Garantiegehälter oder nur eine festgelegte Jahresgesamtsumme an verteilbarem Tronc an. Doch auch einige Croupiers haben teilweise Mühe, die im Vergleich zum Automatenspiel oftmals negativen wirtschaftlichen Eckdaten zu berücksichtigen. Wer vor einem "leeren Tableau" sitzt, sollte mit unrealistischen Lohnforderungen bzw. Garantiegehalterhöhungen, gerade in gesamtwirtschaftlich schwierigen Zeiten, vorsichtig umgehen. Insbesondere die Gewerkschaften sind hier aufgerufen die Kirche im Dorf zu lassen.
Einstellungs- bzw. Beförderungsstops, die Minimierung der Punktanteile der Angestellten (gerade in Kleinbanken), der vermehrte Einsatz von Zeitarbeitern und Aushilfskräften im "Lebendspiel" sowie in letzter und trauriger Konsequenz die Schließung des "Klassischen Spiels" oder massiver Arbeitsplatzabbau an einigen Casino-Standorten zeigt weiterhin deutlich wohin der Hase läuft.
So hat sich bis auf einige wenige Ausnahmen, das Lohn- und Gehaltsniveau der Croupiers/Dealer dem der in anderen Wirtschaftszweigen gezahlten Gehälter nach Unten angeglichen. Von übermäßig hoher Entlohnung kann in sehr vielen Casinos schon seit sehr langer Zeit keine Rede mehr sein. Jedoch muss angemerkt werden, dass kein Croupier in den deutschen Casinos am Hungertuch nagt. Der durchschnittliche Croupier mit einer Betriebszugehörigkeit von rund fünf Jahren ist ein durchaus angemessen entlohnter Facharbeiter.
Sagenumwobene Geschichten vom "Mythos Croupier" gehören schon lange nicht mehr in unsere moderne Dienstleistungsgesellschaft, da der Croupierberuf in den letzten Jahren ein Beruf wie jeder andere geworden ist. Und das ist gut so.
"Der lässt mich nicht gewinnen!"
Der Croupier war schon immer Projektionsfläche für die Stimmungen des einzelnen Spielbankbesuchers. In der fälschlichen Annahme, der am Roulettekessel arbeitende oder kartenmischende Croupier hätte Einfluss auf den aktuellen Spielausgang, wird das eigene, unterschiedliche Spielerglück oftmals bequem auf einen quasi "Schuldigen" abgewälzt.
Man sollte sich als Casinobesucher darüber im Klaren sein, dass das einzige und alleinige Bestreben des Croupiers der möglichst häufige und hohe Gewinn des Gastes ist. Die Rechnung ist so trivial wie einfach: Gewinnt der Spieler, gibt es Trinkgeld, verliert er, gibt es ... nichts!
Hierzu noch eine Anmerkung: Fälschlicherweise wird oft angenommen, dass sich das monatliche Gehalt des spieltechnischen Personals aus Trinkgeld plus Gehalt zusammensetzt. Dem ist nicht so! Der Croupier bestreitet seinen Lebensunterhalt in der Regel ausschließlich aus den Trinkgeldern der Casinobesucher.
Ergo: Nur bei einem Gewinn des Gastes besteht folglich die Möglichkeit für den Croupier, den Trinkgeldtopf ausreichend zu füllen und somit sein Gehalt zu sichern. Auf den Punkt gesagt "spielt" der Croupier im übertragenen Sinne mit Ihnen mit und hofft, dass Sie die richtige Zahl setzen. Einem Croupier oder Dealer zu unterstellen er würde bewusst gegen den Spieler agieren, vielleicht aus persönlicher Abneigung oder einfach nur aus "schlechter Laune" heraus, ist geradezu absurd.
Persönliche Ressentiments haben im Selbstverständnis des Croupiers nichts zu suchen. Einzig und allein der Service am Casinogast ist für ihn das Maß aller Dinge. Schuldzuweisungen sind daher nicht nur Fehl am Platze, sondern widersprechen auch dem bekannten Sprichwort "Jeder ist seines Glückes Schmied".
Ihr Gewinn ist somit auch die Freude des Croupiers und er wird in jeder Spielsituation bemüht sein, Ihnen - dem Spielbankgast - den Aufenthalt am Spieltisch so angenehm wie möglich zu machen.

Berufsbild Croupier