Gehaltssystem

"Der Lohn der Nacht!"

Entlohnt werden die Croupiers (und fast alle anderen Casinoangestellten) durch ein in Deutschland ungewöhnliches Bezahlungssystem.

Der "Tronc"

Der eigentliche Arbeitgeber der Croupiers sind Sie, der Casinogast. Sämtliche im Spielbetrieb beschäftigten Mitarbeiter, vom technischen Direktor über die Croupiers bis hin zum Doorman, werden aus den Trinkgeldern bezahlt, die Sie am Spieltisch oder im Automatensaal "für die Angestellten" geben.

Die Betreibergesellschaften der jeweiligen Spielbanken sind somit im übertragenen Sinne nicht direkt für die eigentliche Entlohnung zuständig (wohl aber für die Verwaltung der Tronc-Einnahmen). Die Spielbanken tätigen weiterhin keinerlei Lohnzahlungen aus Eigenmitteln, solange Trinkgelder zur Deckung aller Mitarbeitergehälter in ausreichender Höhe vorhanden sind.

Kurze Anmerkung: Seit den Anfängen der Spielbanken in unserem Sinne (etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts) wird bei einem Gewinn am Spieltisch ein kleiner Teil der Gewinnsumme (zwischen 5% und 10%) den Angestellten der Spielbank zugestanden. Mit dem Satz "Ein Stück für die Angestellten" erlauben Sie dem auszahlenden Croupier, von Ihrer Gewinnsumme einen oder mehrere Jeton(s) in einen speziellen Behälter zu stecken: In die "Troncbüchse".

Üblich ist bei einem Hauptgewinn, ergo einem Plein (volle Nummer), ein Stück in Höhe des auf dem Tableau (Spielfeld) liegenden Einsatzes als "Entlohnung" zu spendieren (Beispiel: Sie haben € 5 auf die 13 gesetzt, 13 fällt und Ihre Auszahlung beträgt € 175. In diesem Fall geben Sie € 5, die Höhe Ihres Einsatzes, freiwillig für die Angestellten).

Selbstverständlich können Sie auch mehrere Stücke geben, etwa weil Sie schon gut gewonnen haben oder der Service besonders zuvorkommend war. Kein Angestellter einer Spielbank erwartet, dass Sie bei einem Gewinn auf Rot oder Schwarz oder einer Transversale Simple (Auszahlung beträgt fünf Stücke) ein Stück für die Angestellten spendieren. Bei hohen Auszahlungen wird dies jedoch erwartet und auch vom überwiegenden Teil der Spieler in entsprechender Höhe entrichtet.

Damit keine Missverständnisse entstehen: Es besteht keinerlei "Trinkgeldzwang"! Ob Sie tatsächlich Tringeld geben wollen - in welcher Höhe auch immer - ist selbstverständlich Ihnen überlassen.

Modalitäten

Am Ende eines Spieltages oder bei Schließung eines Spieltisches bzw. des Automatensaals werden die gesammelten Trinkgelder (Tronc) zusammengezählt und durch den Spielbank-Kassierer dem so genannten Tronc-Konto zugeführt. Dieses Tronc-Konto wird bei einer ganz normalen Geschäftsbank geführt.

Der Tronc ist der Topf, aus dem alle Angestellten am Monatsende bzw. Monatsanfang bezahlt werden (oder in zwei Tranchen: Abschlag und Restzahlung). Jeder Casino-Angestellte hat aufgrund seiner Position, der Dauer seiner Zugehörigkeit zum Betrieb und seiner persönlichen Qualifikation, einen bestimmten Anteil an diesem Trinkgeldtopf.

Struktur

Unterschieden wird zwischen einem "100% Tronc" und einer "Troncteilung" mit Beispielsweise 75% Troncanteil für das Klassische Spiel und 25% Troncanteil am Gesamttronc für das Automatenspiel bzw. den Nichtspieltechnikern. Bei einem "100% Tronc" hat jeder Casino-Angestellte, von der Reinigungskraft bis zum Direktor, einen bestimmten Anteil an diesem Topf, den "Punktanteil". Bei der Aufteilung "75/25%" wird der "75% Anteil" an die Mitarbeiter des so genannten Lebendspiels nach Punktanteil ausgezahlt, vom Restanteil werden die Gehälter aller Nichtspieltechniker gezahlt.

Reicht die Summe aller eingenommenen Trinkgelder innerhalb des "25% Troncs" nicht aus um alle Nichtspieltechniker zu entlohnen, ergänzt der Betreiber den fehlenden Betrag des 25% Troncs, soweit z.B. im Tarifvertrag vorgegeben, aus Eigenmitteln.

Ist die Gesamtsumme der Tronceinnahmen niedriger als die gesamten Garantiegehälter aller Casinoangestellten (die Gehälter, die jedem Angestellten bei zu wenig Trinkgeldeinnahmen per Tarifvertrag, Arbeitsvertrag etc. zustehen), so schießt der Betreiber die fehlende Summe zu. Die Betreibergesellschaft vergibt in diesem Falle eine Art Kredit, den die Beschäftigten in bestimmten Zeiträumen und unter Einhaltung bestimmter Verfahrensweisen an den Betreiber zurückzuzahlen haben. Ein ähnliches Prozedere gibt es natürlich auch bei einem 100% Tronc.

In jüngster Zeit haben einige Betreibergesellschaften neue Modelle der Entlohnung etabliert. Diese Entlohnungs-Modelle sehen aus betriebswirtschaftlichen Erwägungen eine verstärkte Erfolgsorientierung bei gleichzeitig verringerter Gewichtung des Troncanteils vor. Vorreiter dieses Modells sind die Casinos in der Schweiz, die in Ihren Vergütungsmodellen gänzlich umsatz- bzw. erfolgsabhängige Bezahlungsmodelle favorisieren. Doch zurück nach Deutschland.

Ein Croupier und jeder andere Mitarbeiter einer Spielbank ist immer daran interessiert, dass Sie als Spielbankgast so viel und so hoch wie möglich gewinnen. Nur in diesem Falle füllt sich der Trinkgeldtopf in ausreichender Höhe (lesen Sie hierzu bitte die speziellen Anmerkungen im Essay)

"Vater Staat"

"Vater Staat" fordert, wie in vielen Bereichen unseres Lebens, auch in Punkto Trinkgeld seinen ihm zustehenden Teil. Neben den üblichen Sozialabgaben sowie der Lohn- bzw. der Einkommenssteuer schöpft er nämlich, schon bevor auch nur ein Euro in die "Lohntüte" des einzelnen Mitarbeiters fließt, vom Gesamttronc die so genannte "Troncsteuer" ab. Diese Steuer kann gestaffelt sein, bewegt sich jedoch im Allgemeinen in einer Größenordnung von bis zu 10% der gesamten Trinkgeldeinnahmen.

Zusätzlich zahlt der einzelne Croupier neben seinem persönlichen Arbeitnehmeranteil auch den kompletten Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung. Dies wird von Teilen der Croupiers als Benachteiligung gegenüber anderen Berufsgruppen empfunden und deshalb beschäftigte dieser Sachverhalt gelegentlich die zuständigen Gerichte der jeweiligen Bundesländer.

Es sollte jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass von Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite deutliche Bemühungen zu erkennen sind, bezüglich dieses Sachverhaltes eine einvernehmliche Lösung anzustreben.

Mittelfristig ist zu erwarten, dass das antiquierte Entlohnungssystem über den "Tronc" der Vergangenheit angehören wird. Ein Lohnsystem, wie es in den anderen Berufsgruppen unseres Landes seit Jahrzehnten erfolgreich angewendet wird, ist zu erwarten.

Resümee

Noch einmal zur Verdeutlichung: Die Mitarbeiter der deutschen Spielbanken sind auf Ihre freiwilligen Trinkgelder angewiesen und werden daher bemüht sein, Ihnen den Aufenthalt in den Räumen Ihrer Spielbank so angenehm wie möglich zu machen.

Der nächster Abschnitt der ausführlichen Betrachtungen zum Beruf des Croupiers betrachtet die entsprechenden Karrierechancen.