


"Der Croupier im Wandel der Zeit!"
Spiel: eine Beschäftigung, die für sich selbst angenehm ist.
Immanuel Kant (1724 - 1804)
Die Geschichte des Croupierberufes ist im Gegensatz zu anderen Berufen nur ungenügend dokumentiert. Detaillierte Aufzeichnungen aus den Jahren um 1800 aber auch aus den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts sind eigentlich nur in Antiquariaten zu finden und selbst dort mehr als rar gesät. Die folgenden Zeilen decken daher nur einen kleinen Teil der lebendigen Geschichte dieses Berufes ab.
Vom "Tailleur" zum "Croupier"
Nahmen in den frühen Anfängen der Spielbanken (besser: Spielclubs oder Spielhäuser) die Inhaber und Pächter Karten und Würfel noch selbst in die Hand, so begannen sie um 1700 Teilhaber in ihre Aktivitäten einzubeziehen. Diese "Tailleurs" genannten Teilhaber hatten einen Anspruch auf einen Teil der eingespielten Unternehmensgewinne und entlasteten die Inhaber eines solchen Spielclubs bei allen anfallenden Arbeiten am Spieltisch.
Oft aus adeligem Hause oder zumindest dem höfischen Umfeld - ein Spielclub war für den gemeinen Bürger kaum zugänglich - waren sie jedoch noch weit entfernt von einem Angestelltenverhältnis, wie wir es heutzutage kennen.
Einen Wandel erlebte die Tätigkeit des "Tailleurs" um das Jahr 1800. War der "Tailleur" bis dato am Gewinn oder Verlust seiner Spielbank mehr oder weniger beteiligt, setzte nun ein tief greifender Strukturwandel ein. Inhaber und "Tailleurs" zogen sich aus dem direkten Spielgeschehen am Spieltisch zurück und traten nur noch als Geldgeber auf. Dies erforderte den Einsatz von speziell ausgebildeten Facharbeitern, für deren Handlungen am Spieltisch der jeweilige Spielbankinhaber gerade zu stehen hatte.
Die Personalstruktur setzte sich zu damaliger Zeit aus ehemaligen Militärs, verarmten Adel sowie aus dem Staatsdienst ausgeschiedenen Beamten zusammen. Der Begriff "Croupier", frei übersetzt "Gehilfe des Bankhalters", ersetzte den Begriff "Tailleur" und wurde Synonym eines, damals ausschließlich von Männern ausgeübten, hochspezialisierten Berufes.
Zu dieser Zeit machte jedoch nicht nur das spieltechnische Geschick und die unparteiische Spielleitung der Croupiers von sich reden. Der Beruf des Croupiers wurde durch Kirche und konservatives Bürgertum als "Götzendienerei" und "verderblicher und geistloser Dienst" angeprangert. Bis heute konnte sich dieser Beruf - zu Unrecht - nicht ganz von diesem "Makel" befreien.
Die Jahrhundertwende
Nach dem Verbot des öffentlichen Glücksspiels in Deutschland im Jahre 1872, wurde es dunkel um die Historie der deutschen Croupiers. Abgetaucht in illegalen oder halblegalen Spielclubs oder für private Spielrunden angeworben, bewegten sie sich ständig an der Grenze strafrechtlicher Verfolgung. Einige Croupiers wanderten in das benachbarte Ausland ab, um dort an den Spieltischen französischer oder italienischer Kur- und Badeorte, hauptsächlich in der Sommersaison, ihr Auskommen zu verdienen.
Die "goldenen" 30er Jahre
Mit der Erlaubnis der Nationalsozialisten, ab 1933 in Bade- und Kurorten Spielbanken zu eröffnen, waren auch wieder Croupiers gefragt. Zu Anfang wickelten berufserfahrene Belgier den neu erblühten Spielbetrieb ab. Diese Herren waren jedoch "nicht ganz billig" und so bemühte man sich recht schnell kostengünstigeres, deutsches Personal auszubilden.
Trinkgeld war auch zu dieser Zeit der Lohn der Nacht, jedoch war die fiskalische Handhabung sowie der allgemeine Besitzanspruch der Croupiers auf den Trinkgeldtopf - den Tronc - noch ungenügend geregelt, so dass erste Schritte zu einem funktionablen Lohn- und Gehalts-System unternommen wurden.
Patriarchalische Unternehmensleitung, gepaart mit dem amerikanischen System des "hire and fire" sorgten ebenfalls dafür, dass der Beruf des Croupiers längst keine "sichere Bank" war.
Mitte des Zweiten Weltkrieges wurden vermehrt Croupiers an die Front gerufen und durch italienisches bzw. Personal aus den besetzten Gebieten ersetzt. Im Sommer 1944 schlossen die letzten noch geöffneten Spielbanken ihre Pforten und bereiteten dem Croupierberuf ein vorläufiges Ende.
Die Kugel rollt wieder!
Kurz vor der Währungsreform und damit der Einführung der D-Mark, wurde auch schon wieder um die ersten Spielbank-Konzessionen gerungen. Erste Casinos eröffneten 1948/49 mit Personal aus den deutschen Vorkriegsbanken sowie belgischen und italienischen Croupiers. Bald darauf wurden erste Ausbildungskurse angeboten, deren spieltechnische "Nachwirkungen" - Wurftechnik, Jetonhandhabung, Annoncen - als "Lindauer, Travemünder oder Homburger Schule" noch heute jedem Croupier ein Begriff sind.
Mit dem Anspruch eine Elite zu sein, blieb der Berufsstand bis Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts auf ca. 1000 Croupiers in ganz Deutschland beschränkt. Erste Tarifverträge wurden abgeschlossen und sicherten dem einzelnen Croupier eine Absicherung seiner Einkünfte nach "unten".
Moderne Zeiten
Mit den verstärken Neueröffnungen weiterer Spielbanken ab Mitte der 1970er Jahre setzte eine erste größere Wanderungsbewegung ein. Vermehrter Personalbedarf, in den zu dieser Zeit noch weitgehend in privater Hand liegenden Casinos, öffnete so manchem im Beförderungsstau sitzenden Croupier neue und attraktivere Karrierechancen.
Rund 4000 Croupiers und Dealer sind heute bundesweit in den deutschen Spielbanken tätig. Dem klassischen Roulettecroupier der frühen 1950er Jahre hat in unseren Tagen der an mehreren Spielen einsetzbare Allroundcroupier den Rang abgelaufen. Weiterhin ist festzustellen, dass sich die Altersstruktur des Spielbankpersonals verändert. Junges, dem Zeitgeist entsprechendes Personal nimmt immer mehr den Platz des "Altkopfs" ein und verleiht den alten und neuen Spielbanken zumindest ein optisch entstaubtes Image.
Ausblick
In unseren Tagen hat sich der Croupierberuf einer Neuorientierung zu unterwerfen. Zwar wird es auch in Zukunft den/die "Mann (Frau) in Schwarz" am Spieltisch geben. Das Selbstverständnis des Croupiers, eine besondere Tätigkeit auszuüben wird jedoch dem Bewusstsein Platz machen müssen, einer ganz normalen, durchschnittlich bezahlten Arbeit nachzugehen. Die Entmystifizierung dieses Berufes ist nicht aufzuhalten.

Berufsbild Croupier