Spielbanken

"Die Tempel des Glücks!"

Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielen kann.

        Friedrich Schiller

Die Frühzeit

Hinweise auf eine Art öffentliches, konzessioniertes Glücksspiel im deutschsprachigen Raum gibt es aus dem Mittelalter. Zu jener Zeit wurden Lizenzen durch die jeweiligen Landesfürsten oder allgemein, den kommunalen Machthaber vergeben. Hierbei ging es jedoch nicht um die Erlaubnis eine Art stationäre Spielbank zu betreiben, sondern eher um die Veranstaltung von Jahrmärkten auf denen z.B. Würfelspiele angeboten wurden. Die eben erwähnten Würfelspiele (später auch Kartenspiele) wurden auf diesen Festivitäten mit großem Erfolg veranstaltet. Der Grundstein der Spielbanken war somit gelegt. Umstritten war, wegen der damals religiösen Vorbehalte der katholischen Kirche, die Veranstaltungen solcher Glücksspiele allemal. Hier prallten erstmals Moral und Gewinnstreben aufeinander.

Belegt ist z.B., dass die Stadt Frankfurt a. Main 1397 während der dort veranstalteten Messen, das Recht auf das Angebot von Glücksspielen verpachtete. 1425 verfuhr der Rat der Domstadt Mainz ähnlich wie in Frankfurt und verpachtete das dortige Spielhaus an Mainzer Bürger für die damals horrende Summe von 300 Gulden. In Mainz gab es auch erstmals eine Art Spielmonopol, da die Pächter nicht nur die Gelder aus dem direkten Spielbetrieb kassierten. Diese Pächter waren auch an den Einnahmen durch Strafgelder beteiligt, die die Stadt illegalen Spielbetrieben abnahm.

War die Kirche dem Glücksspiel eher abgeneigt, hinderte es sie jedoch nicht daran ihren Teil der Einnahmen einzufordern. Im Köln dieser Zeit gingen z.B. sämtliche Einkünfte aus den Spielhäusern an den Erzbischof.

In den folgenden Jahren wurde das öffentliche Spiel speziell durch die Handwerksstände weiter verbreitet und selbst temporäre Spielverbote konnten den Siegeszug der Würfel und Karten nur behindern, jedoch nicht stoppen.

Morgendämmerung

War das Mittelalter und die Zeit bis ca. 1700 in punkto Glücksspiel noch eher provinziell und von einem schlechten Gewissen geprägt, änderte sich dies allmählich im 18. Jahrhundert. Beflügelt von der innovativen Art der französischen Spieleveranstalter, begann auch im deutschsprachigen Raum eine erste große Blüte des Glücksspiels. Strengere Reglements innerhalb der Spielregeln, eine erste Form der Spielkontrolle durch Polizei und Militär sowie die Möglichkeit der Machthaber, ihre durch Kriege und Verschwendung geleerten Kassen durch Pachteinnahmen zu füllen, waren die Gründe für die Eröffnung von Spielbanken in verschiedenen Teilen des noch zersplitterten Deutschlands.

Verbrieft ist die Konzessionierung einer Spielbank 1748 in Baden-Baden (es waren genauer gesagt Gastwirte, die die Erlaubnis des damaligen Markgrafen erhielten, in ihren Herbergen Spieltische aufzustellen). Auch in Pyrmont ist die konzessionierte Veranstaltung von Glücksspielen in einem 1727 verfassten Schriftstück belegt. Weitere Spielorte waren unter andrem Bad Ems, Aachen oder Schwalbach. In Wiesbaden wurde alten Aufzeichnungen zufolge 1764 in einem Café öffentliches Glücksspiel betrieben.

Die eben erwähnten Pachtbeträge konnten höchst unterschiedlich ausfallen, da es eine nicht unerhebliche Zahl von Konzessionsbewerbern gab. Der Betreiber der damaligen Spielbank in Aachen hatte 1764 800 Taler an die entsprechenden Institutionen zu zahlen. 1777 waren es bereits 4.000 Taler und 1793 betrug der Obolus die für den Normalsterblichen astronomische Summe von 25.000 Talern. In Bad Ems betrug die Pacht 1772 15 Gulden, im Jahre 1783 63 Gulden. Die große Nachfrage nach Konzessionen, sowie die respektablen Einnahmen der Spielbanken taten ein Übriges um die jeweiligen Abgaben in die Höhe zu treiben.

In den folgenden Jahren stieg die Anzahl der Spielorte beträchtlich. Vor allem in den mondänen Badeorten schossen Spielbanken wie Pilze aus dem Boden. Die Kommerzialisierung des Spielbetriebs begann Fuß zu fassen.

Auf dem Weg nach Monte Carlo

Stellvertretend für den Wandel vom Spielclub zur Spielbank waren die Herren Blanc und Benazet. 1838 übernahm der aus Frankreich kommende Jaques Benazet das Casino Baden-Baden und führte für damalige Verhältnisse moderne Managementmethoden ein. In Bad Homburg geschah das gleiche durch Francois Blanc. Die Spielbanken begannen den Nimbus des Spektakulären zu bekommen.

Populäre Spiele wie Roulette, bei denen man auch mit verhältnismäßig kleinen Einsätzen sein Glück herausfordern konnte, verdrängten die etablierten Kartenspiele wie etwa Pharao und auch sonst wurde einiges getan um den Spielbetrieb dem zunehmend gemischteren Publikum aus Adel, Großbürgertum, Frühindustriellen und Handwerksmeistern angenehme Kurzweil zu verschaffen.

Diese Intensivierung des Spiels kam auch der Infrastruktur zugute. Kurhäuser, Hotels, Zulieferbetriebe - ganze Wirtschaftszweige befanden sich im Schlepptau der Spielbanken. Das kulturelle Leben rund um die Spielorte (neben Baden-Baden und Bad Homburg z.B. auch Travemünde, Bad Kissingen und Bad Doberan) erlebte ebenfalls eine ungeahnte Blüte. Die Spielbanken waren der Motor.

Unumstritten war die Erfolgsgeschichte der Casinos jedoch nicht. In großen Teilen Deutschlands herrschte immer noch Skepsis vor, wenn es um Hazardspiel und Karten ging. Schon 1848 wurde in der Frankfurter Nationalversammlung beschlossen, dem "Übelstand" der Spielbanken den Garaus zu machen. Dieser Beschluss ließ bei einigen Casinobetreibern die Notwendigkeit aufkommen, vorübergehend ihre Spielbanken zu schließen. Noch stand jedoch der Eröffnung weiterer Casinos nichts dauerhaft entgegen, da die Steigerung der Pachteinnahmen bzw. die Einnahme von Steuern mit der Öffnung der Spielcasinos für breitere Bevölkerungsschichten in ungeahnte Dimensionen anwuchs.

Unter Bismarck kam es dann doch zu dem befürchteten Generalverbot. 1872 wurde jede Form des öffentlichen Glücksspiels per Gesetz verboten.

Das Spiel verlagerte sich, von einigen illegalen bzw. halblegalen Spielclubs abgesehen, ins europäische Ausland. Monte Carlo wurde in jenen Tagen das Synonym für Luxus, Reichtum und "La Dolce Vita".

Neue Chance, neues Glück

Monacos Spielbank profitierte ungemein vom Spielverbot in Deutschland. Aber auch im damals dem Deutschen Reich zugehörigen und heutigen polnischen Zoppot florierte das Geschäft mit Kugel und Karten. Andere konnten das nicht behaupten.

Nach der Jahrhundertwende wurde auch in Ländern wie Belgien, der Schweiz, Italien und selbst Frankreich mit zum Teil rigiden Verboten den Spielbankkonzessionären das Leben schwer gemacht. In Deutschland gibt es staatlich konzessioniertes Glücksspiel erst wieder seit 1933. Vorraussetzung für den Konzessionserhalt war der Standort in einem Kur- oder Badeort mit einer nachgewiesenen jährlichen Besucherzahl von 70.000 Gästen.

Unter den Nationalsozialisten wurde trotz einiger Ressentiments der Spielbetrieb mehr oder minder gefördert (wohl auch um die Kriegskasse zu füllen). Selbst während des Zweiten Weltkrieges wurde der Spielbetrieb aufrechterhalten. Es wurden sogar neue Casinos in den besetzten Gebieten eröffnet, wie z.B. 1940 in Warschau. Der Krieg forderte jedoch seinen Tribut. Baden-Baden schloss seine Pforten 1944, weitere Casinos folgten oder hatten bereits aus Personalmangel - an der Front wurden Soldaten gebraucht - den Spielbetrieb eingestellt. Mit dem 8. Mai 1945 nahm die deutsche Spielbankgeschichte vorerst ein jähes Ende.

Abgesehen von einigen provisorischen und oftmals geheimen Spielclubs für die Soldaten der alliierten Streitkräfte kam der öffentliche Spielbetrieb völlig zum erliegen.

1948: Das Jahr der Wiedergeburt

Pünktlich zur Währungsreform eröffneten auch wieder die Spielbanken ihre Tore. Den Anfang machte, mit großem öffentlichem Aufsehen und prominenten Eröffnungsgästen wie etwa dem Boxer Max Schmeling, Bad Neuenahr im Dezember 1948. Es folgten Bad Dürkheim im September 1949 sowie Wiesbaden im gleichen Jahr. Baden-Baden ließ die Kugel ab 1950 wieder rollen. Weitere Casinoeröffnungen folgten.

Bis Anfang der 1970er Jahre führten die Spielbanken, begünstigt durch die große Entfernung zwischen den Spielorten, ein Dasein ohne großen Konkurrenzdruck. Heutzutage sieht die Situation allerdings ganz anders aus. In unseren Tagen hat der geneigte Casinofreund die "Qual der Wahl" zwischen nunmehr rund 70 Spielbanken. Von Flensburg im Norden, über Duisburg im Westen, Heringsdorf im Osten bis hin nach Lindau im Süden bieten die deutschen Spielbanken modernes Glücksspiel im zeitgemäßen Gewand.

Schauen Sie doch einmal in das Casino in Ihrer Nähe. Ansprechende Unterhaltung ist garantiert.